Steenodde-Amrum-Hügelgräber, © Kai Quedens© Kai Quedens

Gräberfelder Amrums

19.03.2021

Der kleinste Ort auf Amrum mit etwa 70 Einwohnern trifft auf den größten  Grabhügel der Insel mit rund fünf Metern Höhe: Bei Steenodde im Friesendorf Nebel an der Ostküste liegt der so genannte Esenhugh mit einem Durchmesser von 27 Meter am Fuß. Er soll aus der Bronzezeit stammen, wie auch weitere rund 80 Grabhügel, die dokumentiert wurden. Der Esenhugh diente oftmals als Empore für den freien Blick. Künstler wie Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn nutzten ihn als Hochsitz für kreative Momente mit Pinsel, Palette und Zeichenstift. Auf dem Bild „Ziegen auf Amrum“ sitzt ein Hütejunge vermutlich auf dem Esenhugh und bewacht von dort seine Herde. Hier ist mehr zu der Amrum-Reise der Künstler in 1903 nachzulesen. Der Esenhugh wurde aber auch jahrhundertelang für das alljährliche Biikefeuer genutzt, das in der Neuzeit aus Feuerschutzgründen dann aber verlegt wurde.

Dass hier in der näheren Umgebung auch Wikinger lebten, beweisen mehrere prähistorische Gräber aus der Zeit um 800 vor Christus. Sie ehrten ihre Toten vermutlich mit Schmuckstücken aus Bernstein, die bei Ausgrabungen in den Gräbern gefunden wurden. Sprachwissenschaftler datieren die Einwanderung der Friesen auf diese Zeit, die für eine erneute Siedlungsdichte sorgten.

Zwischen Steenodde und Süddorf befinden sich die meisten Hügelgräber, auf dem so genannten Archäologischen Areal der Insel. Beide Orte werden aber auch mit einer beeindruckenden Wallanlage durchzogen – dem Krümwal. Halbkreisförmig zieht sich der drei Kilometer lange und drei Meter hohe Erdwall bis ans Uaal Anj oder Wal Anj, dem einzigen Kliff der Insel, übersetzt das „Ende des Walls“.  Warum er gebaut wurde, ist bis heute nicht klar. Es wird vermutet, dass er als Abwehranlage bzw. Grenzwall fungieren sollte. Doch bei den jüngsten Erdanalysen vergangenen Sommer konnten die Geo-Archäologen das Alter auf 8.700-8.000 Jahre datieren, also auf die mittlere Steinzeit. Dieses ist der bisher älteste Nachweis einer Besiedlung auf Amrum. Bisher ging man davon aus, dass Amrum seit der jüngeren Steinzeit besiedelt ist.  Der Krümwal ist eher dem geschulten Auge von Archäologen erkennbar oder auf Luftbildern.  Südlich der Nebeler Mühle ist er aber auch für den Laien sichtbar.

Krümwall mit Mühle, © Georg QuedensGalerie öffnen© Georg Quedens
Steenodde-Amrum-Hügelgräber, © Kai QuedensGalerie öffnen© Kai Quedens

Tipp für Führungen

Wer sich auf tiefere Spuren der Vorgeschichte der Insel machen möchte, sei die Führung des Naturzentrums ans Herz zu legen. Die archäologische Führung „Amrum – Insel der Toten?“ startet am Steenodder Pier über Stock und Stein, durch den Wald bis zum Esenhugh. Nebenbei erfährt man auch etwas über Entstehung und Besiedlung der Insel.